Donnerstag, 27. März 2014

Kakerbeck

Die letzten sechs Tage waren hauptsächlich von einem Thema bestimmt: Kakerbeck. Klingt lustig, ist es aber nicht.
Also der Ort ansich ist schön und gut, nur leider beheimatet er eine Schweinemastanlage mit aktuell ca 4000 Schweinen pro "Durchlauf". Das ist ja eigentlich schon schlimm genug.
Dem holländischen Unternehmer ist das aber nicht genug. Deshalb will er vergrößern. Der Betrieb soll künftig auf etwa 18.000 Schweinemastplätze ausgebaut werden.
Davon hörten Beate und ich letzten Donnerstag Abend am Lagerfeuer, durch Marko und Willow, Freunden aus Kalbe, die sich in einer Bürgerinitiative gegen den Ausbau engagieren.
Gleich hatte ich das sichere Gefühl endlich mal direkt was tun zu können.
 
Die von der Anlage betroffenen Anwohner fürchten in erster Linie Dinge wie Gestank oder Grundwasserverunreinigung durch antibiotikahaltige Gülle. Fährt man durch den Ort, sieht man gleich wer gegen den Ausbau ist: Als Symbol wurde das sogenannte Wendlandkreuz gewählt, quasi ein X in "schweinchenrosa" (in Anlehnung an das X in gelb, Symbol für die Anti-Atomkraft-Bewegung im Wendland).
Mir ging es hier aber um etwas anderes: Die furchtbaren Qualen, die Masttiere in ihrem kurzen Leben (ca. 6 Monate) erleiden müssen.
Mit diesem Hintergrund schien mir die Abwandlung des "Wendlandkreuzes" ins lateinische Kreuz sinnvoll.
Zusammen mit Sophie Wolf (Mitstipendiatin hier in der Künstlerstadt) entstand in einem kurzen Gespräch die simple Idee der Friedhofsinstallation.
 
In den nächsten Tagen arbeitete ich weiter am Konzept und sammelte Photos und Zitate die - als "Grabinschriften" an den Kreuzen angebracht - die Wirkung unterstützen sollten.
Da wir mit unserem Projekt im Sinne einer großen Interessengruppe arbeiteten, war eine geeignete Örtlichkeit bald gefunden. Die Kreuze konnten wir dank Holz- und Farbspenden in noch größerer Anzahl produzieren als wir geplant hatten. Es lief quasi wie am Schnürchen.
So stand gestern um 11Uhr, nach nur sechs Tagen seit dem allerersten Gespräch über die Mastanstalt, unser "Besinnungsort".

Die Sprüche an den Kreuzen habe ich relativ universell gewählt, mir ging es darum, einen zarten Anstoß zum Nachdenken zu geben. Alle aggressiven Aktionen bewirken in entsprechenden Situationen oft lediglich Abweisung. Nur wenige Photos, die die Zustände in Schweinemastanstalten zeigen, sind hier klare Statements.

Oliver Heymann von der Altmark Zeitung hat uns schon in der Produktionsphase besucht, den Artikel (und auch den von Conny Kaiser für die "Volksstimme") gibt es aber leider nicht online.
Sein Bericht über die fertige Installation gibt es aber hier: "Ein 'Gräberfeld' aus rosa Kreuzen"






















Donnerstag, 20. März 2014

Kalbe Frühlingsresidenz

In der Zeitung nennen sie's "Wintercampus". Aber die Sonne scheint hier auf trockenen Boden und mit Winter hatte ich dieses Jahr eigentlich eh noch gar nichts zu tun.

Wir durften diesmal unsere Ateliers in Räumen auf dem Gelände von "Milde Beton" einrichten. Für mich inspirierend ohne Ende; vor allem die vielen Silos in verschiedenen Farben, Formen und Lackabsplitter-/Roststadien hab ich sehr gern.
Heute ist das Wetter so wunderschön, dass ich vielleicht tatsächlich abends meine "pinker Simpsons-Himmel über Industriegelände"-Passion bedient bekommen könnte (die in mir brennt, seit ich vor vielen Jahren meine Photographenausbildungszeit im Industriegebiet Eching/Neufahrn bei München verbracht habe. Da gab es ein paar krass pittoreske, knallebunte Springfieldhimmel-over-germanWellblech-Abende).


Meine liebe Beate ist extra aus Reykjavik eingeflogen um hier mit mir zu arbeiten und wir sind so produktiv, dass es fast unheimlich ist. 

Beate bewegt sich aktuell in Performance-Photographie-Zeichnungs-Grenzgebieten;
ich arbeite mit Schmetterlingen im Bauch an der ersten Ausgabe einer neuen Publikationsreihe für das Wasteland. Die Begeisterung für dieses Projekt treibt mich selbst nach langen, alkoholschweren Beate-Lena-Diskussionsnächten (großmächtig sind die übrigens- wir sind irgendwie unfassbar schlau zusammen) absolut verlässlich um sieben aus dem Bett.
Dann fahren wir mit den supercoolen Künstler-Fahrrädern durch die Stadt (meins ist das Supercoolste, siehe unten), sagen all den feinen Miezen die hier so rumhängen 'Guten Morgen' und verschwinden dann wie anständige Bürger für 8 Stunden in der Fabrik.
Es ist wie im Märchen.

  Sonne in meinem Zimmer, heute früh.

 Unser Bad, es ist pink!

 Unsere Küche. Mittlerweile gibt es dort auch Tulpen und so Zeug.

Unser Hinterhof, bzw direkter Milde-Zugang (links).

Unsere Arbeits-Hood.

Unser Atelier.

 Die Aussicht

Mein Arbeitsplatz. 
(Fun Fact: Noch nie zuvor in meinem Leben hab ich einen Tisch absichtlich schräg irgendwo hingestellt oder auch nur daran geglaubt das jemals in Erwägung zu ziehen. Es ist bizarr.)
 
Meine Hauptwerkzeuge dieser Tage.

Kunst. Leider zensiert, ist ja noch top-secret...

 Hier hat mich Beate im Zwiegespräch mit einer meiner Kontemplationswolken erwischt. 
(Nee, Scherz- ist nur der Staubschutz vom Feuerlöscher.)

Hier lief kurz zuvor jemand durch den Flur, das ist naturgemäß von äußerster Hilarität.
Daraufhin war Beate sehr erschöpft.

 Das supercoolste Fahrrad und mein neuer Lieblingspulli (Coca-Cola-Hoodie in Off-Red, Yeah!)

Vegane Schokolade und Erdbeeren, was sich sehr gut trifft, denn heute ist ein Erdbeertag.

Tschüs, bis bald!




Donnerstag, 6. März 2014

Freitag, 3. Januar 2014

Freitag, 22. November 2013

K / 24th of November 2013 / Opening 19:00

(English version below)
K
* Mona Altmann * Hannah Cooke * Jessica Yanti Hardjowirogo Dunleavy * Guang Feng Cheng * Lena Teresa Flohrschütz * Philipp Gufler * Heike Jobst * Beate Körner * Urich Lau Wai-Yuen * Sarah Lehnerer * Zhong Hua Liu * Hans-Christian Lotz * Moritz Nebenführ * Matthias Numberger * Franca Scholz * Lennart Boyd Schürmann * Thomas Silberhorn * Angela Stiegler * Felix Leon Westner
Sonntag 24. November 2013
Haid und Neu Str. 6 RGB
76131 Karlsruhe
Studio 6, 1. OG
19:00 Eröffnung mit Führung durch die Ausstellung
20:00 "Turn on, tune in, drop out" Felix Leon Westner
20:30-22:30 "Tracing the Digital Dialectic: A Phonographic Research" Moritz Nebenführ
---------------------
Verehrtes Publikum von K,
alle verfügbaren Wege der Kommunikation wurden genutzt, um neunzehn zeitgenössische KünstlerInnen und TheoretikerInnen, ohne Rücksicht auf geografische Distanzen, miteinander zu verbinden und auf K vorzubereiten. Am 24. November 2013 wird K Kontur annehmen. In einem Aufeinandertreffen von virtuellem und physischem Raum findet eine Ausstellung und Konferenz statt. In den Abendstunden werden wir uns der Öffentlichkeit präsentieren.
Die Inhalte dieses multidisziplinären Vorhabens definieren K‘s TeilnehmerInnen Mona Altmann, Hannah Cooke, Jessica Yanti Hardjowirogo Dunleavy, Guang Feng Cheng, Lena Theresa Flohrschütz, Philipp Gufler, Heike Jobst, Beate Körner, Urich Lau Wai-Yuen, Sarah Lehnerer, Zhong Hua Liu, Hans-Christian Lotz, Moritz Nebenführ, Matthias Numberger, Franca Scholz, Lennart Boyd Schürmann, Thomas Silberhorn, Angela Stiegler und Felix Leon Westner. Die Kraftfelder der einzelnen Beiträge sind wie Moleküle verbunden und arrangiert. Das entstehende Gemisch ist homogen und heterogen zugleich. Die Widersprüchlichkeiten der konstruierten Dualismen und Bipolaritäten werden in Wahlverwandtschaften überführt:
Der erste rurale Science-Fiction Trickfilm in diesem Sonnensystem erzählt das Märchen von einem chinesischen Bauern, der mit der modernen Welt konfrontiert wird und karikiert die Verhältnisse zwischen Mensch und Maschine, die Geschwindigkeit und Ruhelosigkeit der technisch-virtuellen Welt. Außerdem wird anhand eines allein von Maschinenintelligenz kreierten Objekts die Frage nach dem Eigenleben von Dingen aufgeworfen. Dieses Objekt wird weiteren im Raum gegenübergestellt: Formen, die durch Bleistift und Beton Gestalt annehmen, finden sich neben archäologisch präsentierten Mikrochips und anderen technischen Innereien wieder. Ein autark agierender, ruheloser Apparat lässt den Prozess der zunehmenden Dominanz der Technik offensichtlich erscheinen. Diese Bewegung jenseits von Kulturpessimismus oder Affirmation in ihrer Urszene zu begreifen wird anhand einer Skizze von Heideggers Denken der téchne unternommen. Was, wenn die vermeintlichen Innovationen zeitgenössischer Technologien bloß das über 2000 Jahre währende Projekt der Metaphysik heimlich vollendet haben, ohne Fluchtweg in ein neues Theoriegebäude? Eine Queer History of Computing ergänzt diese Betrachtung der technischen Welt um den Aspekt der Sexualität. Die Bedeutung und Relation der Begriffe Person, Emotion und Geschlecht in algorithmisch und rechnerisch gesteuerten Systemen zueinander wird herausgearbeitet. Die Demo Version einer Software, geschrieben über die Entstehung und Erscheinung von Emotionen in einer virtuellen Welt, wird vorgestellt und eine Einführung zum Entschlüsseln von Codes gegeben. Mit weiteren sensorisch-audio-visuell basierten Performances lassen wir die Welt der Sprache hinter uns. Da sind eine Echtzeitschaltung zu einem Cyborg und dessen Wahrnehmungsexperimenten, eine Handlungsanweisung zum Austausch von Fähigkeiten, Meditation, eine gehauchte Staubwolke, der ferne Klang von Livemusik, Kommunikation durch Gezeichnetes und Gesungenes, das sich zu Graphen fügt und eine sonische Ausstellung in der Ausstellung.
K ist hybrid. Diese präzise Auswahl von Arbeiten verschmilzt mit den Inhalten der K Konferenz, die als Relikte zurückbleiben. Ziel dieses Zusammentreffens ist die kritische Hinterfragung etablierter Vorstellungen einer menschlich dominierten Hierarchie über Organismen, Dinge und deren virtuelle Entsprechungen. Was wäre, wenn der Grundstoff aller computerbasierter Virtualität in Form von Konstellationen aus Siliziumlithografien, Kupferdrähten und kryptischer, binärer Softwarecodes plötzlich mehr ist, als rein materielle Grundlage? Wie stellen KünstlerInnen und DenkerInnen diese Welt dar und vor? Rechnergestützte, maschinell gefertigte und handgearbeitete Kunstwerke werden in K‘s Ausstellung präsentiert.
Inwiefern existieren Geister der Virtualität? Wie können wir mit virtuellen Realitäten kommunizieren, wenn wir nicht an Geister glauben? Was, wenn Computer die besseren Liebesbriefe schreiben? Welche Art von Objekten umgibt uns und wie schmeckt deren Blut? Und was ist die Rolle des Menschen nach dem Anthropozän? Theoretisch vorbereitet tragen wir immer noch unsere Körper mit uns herum. Wie ließe sich ein Systemwechsel zum Posthumanismus technisch möglich machen? Sich diesen Fragen zu stellen, ist die Herausforderung von K.
--------------------- English version ---------------------
K
* Mona Altmann * Hannah Cooke * Jessica Yanti Hardjowirogo Dunleavy * Guang Feng Cheng * Lena Teresa Flohrschütz * Philipp Gufler * Heike Jobst * Beate Körner * Urich Lau Wai-Yuen * Sarah Lehnerer * Zhong Hua Liu * Hans-Christian Lotz * Moritz Nebenführ * Matthias Numberger * Franca Scholz * Lennart Boyd Schürmann * Thomas Silberhorn * Angela Stiegler * Felix Leon Westner
Sunday 24th of November 2013
Haid und Neu Str. 6 RGB
76131 Karlsruhe
Studio 6, upper floor
19:00 Opening with guided tour through the exhibition
20:00 "Turn on, tune in, drop out" Felix Leon Westner
20:30 – 22:30 "Tracing the Digital Dialectic: A Phonographic Research" Moritz Nebenführ
---------------------
Dear K audience,
Nineteen contemporary artists and thinkers have been connected with each other through all available means of communication and with no regard of geographical distances in order to prepare K. On the 24th of November 2013 K will materialise in form of an exhibition, that will come into existence in a virtual as well as physical space. In the evening it will then open its doors to the public for the first time.
The contents of this multidiscipliary concept are defined by K's contributors Mona Altmann, Hannah Cooke, Jessica Yanti Hardjowirogo Dunleavy, Guang Feng Cheng, Lena Theresa Flohrschütz, Philipp Gufler, Heike Jobst, Beate Körner, Urich Lau Wai-Yuen, Sarah Lehnerer, Zhong Hua Liu, Hans-Christian Lotz, Moritz Nebenführ, Matthias Numberger, Franca Scholz, Lennart Boyd Schürmann, Thomas Silberhorn, Angela Stiegler and Felix Leon Westner. The fields of force of each presented work are linked and composed to each other like molecules. The mixture is both heterogenous and homogenous and manages to transfer established dualisms and bipolarities from their hostility to elective affinities:
The first rural science fiction animation in the solar system tells the fairy-tale of a Chinese farmer, who is confronted with the modern world, caricaturing the relation of humans and machines, the speed and restlessness of a technical-virtual world. Furthermore by means of an object that is purely created by artificial intelligence, the question of artefacts and their possible independent existence is raised. This object is confronted with others at the exhibition venue: Forms taking shape by pencil and concrete stand right beside archaeologically presented microchips and other technical innards. An autarchically acting, wakeful apparatus, makes the increasing prevalence of technology obvious. The conception of this motion in its primal scene, beyond cultural pessimism or affirmation, will be undertaken on the basis of an outline of Heidegger`s notion of the téchne. What, if the alleged innovations of contemporary technologies have merely completed the over 2000 year long project of metaphysics, but without an escape route into a new theoretical structure? A Queer History of Computing complements this notion of the technical world by adding the aspect of sexuality. The significance and relation of terms like person, emotion, sex and gender in algorithmic and computer based systems are introduced. It's hard to detach the emotional from the technical cosmos. A demo version of a software, created for the emergence of emotions in virtuality, will be released and an introduction to the unlocking of codes will be given. In sensory-audio-visual based performances the linguistic layer is left behind. These are: a live connection to a cyborg and its perception experiments, an instruction for an exchange of skills, meditation, an aspirated dust cloud, the reflected sound of live music, communication via depicted and sung words merging into a graph and a sonic exhibition within the exhibition.
K is hybrid. This delicate selection of works composed to an exhibition merges with the contents of K's conference, which remain as relicts. The main task of this meeting is the questioning of the established conception of a human-dominated hierarchy concerning organisms, artifacts and their virtual equivalents. What if the constellation of some silicon lithography, copper wires and cryptical binary software codes as presetting of any existing computer based virtuality is more than only a material foundation? How do artists and thinkers picture this world? Computer-aided as well as machine-made and manufactured works will be shown on K's display.
How can ghosts of virtuality exist? If we do not believe in ghosts, how can we communicate with virtual realities? What if computers are able to write the better love letters? What kinds of objects surround us and how does their blood taste? What is the role of humans after the Anthropocene? Theoretically prepared, we are still carrying our bodies about with us. How can we make a systemic change towards Posthumanism technically possible? K`s challenge is to reapproach these questions once more.
 






Mittwoch, 20. November 2013

Elastic Heart




"I've got thick skin and an elastic heart, 
but your blade, it might be too sharp
I'm like a rubberband 
until you pull too hard, 
I may snap and I move fast
but you won't see me fall apart

Cause I've got an elastic heart

...
 
And I want it, I want my life so bad
I'm doing everything I can
Then another one bites the dust
It's hard to lose a chosen one



you did not break me

I'm still..."



...DISTURBING THE PEACE!